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Hans Hielscher, KulturSPIEGEL, 7. November 2008 JAZZ ALS GEISTLICHE MUSIK Riffs für Martin Luther Spirituals und Gospelsongs gehören zu den Wurzeln des Jazz, der sich auch als sakrale Musik versteht. Gerade erschien das Album "A Jazz Reformation" mit der NDR Bigband ![]() Dass Martin Luther (1483–1546) "dem Volk auf Maul geschaut" und die Bibel aus dem Lateinischen in die Sprache des Volkes übersetzt hat, wissen die meisten von uns. In Gesangsbüchern finden wir Luther zudem als Komponisten zahlreicher Kirchenlieder. Der Reformator nutzte die Musik als Medium zur Verbreitung seiner Botschaft. Mit Gesang wollte er die Gemeinde aktiv in den Gottesdienst einbinden. Um das zu erleichtern, übernahm Luther auch allgemein bekannte Lieder seiner Zeit und versah sie mit neuen Texten. Da konnten neue Anhänger schon mitsingen, obwohl sie Luthers Worte noch nicht kannten; immerhin waren ihnen die Melodien vertraut. So beruht etwa das Luther zugeschriebene "Vom Himmel hoch da komm ich her" auf einem niederdeutschen Lied; Luther hat es bearbeitet und den bis heute bekannten Text geschrieben."Vom Himmel hoch" erklingt neben anderen Kirchenliedern in der Jazz-Suite, die Lucas Markus Schmid für die NDR Bigband komponiert hat. Der gebürtige Schweizer, der fünf Jahre Mitglied des Hamburger Orchesters war und nun die Kölner WDR Big Band managed, nennt sein Werk "A Jazz Reformation". Schmid hat Weisen aus der Luther-Zeit und eigene Kompositionen phantasievoll für einen der besten europäischen Klangkörper arrangiert – swingend, beboppig, im Stil des Tango Nuevo, bis hin zum Funk. Seine Suite kommt ohne Gesangsstimmen aus; sie gibt dafür Mitgliedern der Band Raum für Soli – den Trompetern Reiner Winterschladen und Ingolf Burkhardt, den Saxophonisten Christof Lauer und Peter Bolte und vielen anderen. Schmid selbst ist auf der mitreißenden CD als Bassposaunist zu hören. Die Martin-Luther-Suite, die – versehen mit zusätzlichen Texten über Luther und die Reformation – auch als Hörbuch herauskam, ist ein Jazz-Beitrag zur Lutherdekade, einer Reihe von Veranstaltungen und Projekten, die am 31. Oktober 2017 ihren abschließenden Höhepunkt finden: 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation, jenem Tage, als Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll |
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