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Thomas Danner, Kultur Regional, RHEINPFALZ /Zweibrücken Grossartig Mit der Jazz-Matinee der WDR Big Band und Cécile Verny ist das Euroklassik-Festival gestern in Zweibrücken angekommen Gut 400 Zuhörer in der Festhalle genossen den Auftritt, in dessen Mittelpunkt Titel standen, die die Jazz-Ikone Billie Holiday einst bekannt machte. Viele Jazz-Interpreten sind an der Herausforderung gescheitert, die Holiday-Interpretationen aus den 30er und 40er Jahren in die Jetzt-Zeit zu übertragen. Heraus kamen Klischeebeladene Aufgüsse, die weder die Klasse der Originale erreichten, nochden Songs etwas Neues abgewinnen konnten. Michael Abene, 67-jähriger Chefdirigent der WDR Big Band, ging einen anderen Weg. Er hat einigen Stücken von Lady Day neue, überraschende Arrangements verpasst und mit Cécile Verny eine versierte Interpretin gefunden, die nicht in Ehrfurcht vor dem Idol erstarrt, sondern ganz sie selbst bleibt. Das funktioniert richtig gut, wie gestern „Lover Man“ zeigte – im Original eine Ballade, im Abene-Arrangement eine Up-Tempo-Nummer, die zwischendurch gehörig Fahrt aufnimmt und zum Kopfnicken verführt. Verny hat nur wenig gemein mit der Gebrochenheit der Holiday’schen Interpretation. Ein anderes Beispiel ist „What a Little Moonlight Can Do“, das Cécile Verny fingerschnippend ganz sanft beginnt, nur begleitet von Bassist John Goldsby und Schlagzeuger Hans Dekker, ehe nach und nach die Big Band einsetzt. Das flirrende, nervöse Klanggebäude, von heiserem Blech getragen, fällt am Ende in sich zusammen, übrig bleibt das intime Zwiegespräch zwischen Verny und der Trompete von Klaus Osterloh. Großartig. Das wird nur noch übertroffen von „Fine and Mellow“, das Holiday selbst zugeschrieben wird. Hier zeigt die WDR Big Band, warum sie 2007 den Grammy für ein funklastiges Album mit den Brecker-Brüdern bekam. Die Rhythmusgruppe mit elektrisch verstärkten Instrumenten von Frank Chastenier (Piano), John Goldsby (Bass) und Paul Shigihara (Gitarre) geben mit Schlagzeuger Hans Dekker als formidable Blues-Rock-Band das Tempo vor, dem die Bläser mühelos folgen und dem Stück eine gehörige Note Funk verpassen. „Ab und zu mal auf die Tube drücken“, nennt das die Sängerin, die in den knapp fünf Minuten körperlich alles gibt – „das macht Spaß“, sagt sie lachend und erntet die stärkste Publikumsreaktion des gut zweistündigen Programms. Die Zuhörer erklatschten sich am Ende mit dem melancholischen „For All We Know“ noch eine Zugabe. Schade nur, dass die Band das auf der CD vertretene „Detour ahead“ nicht spielte. Dass die Matinee so kurzweilig geriet, lag vor allem an den Protagonisten. Die 40-jährige Cécile Verny, schon mit zahlreichen Preisen bedacht, sang souverän, ausdrucksstark und wandlungsfähig – und zeigte sich als sympathische und publikumsnahe Moderatorin, die die Pause nutzte, um im Festhallen-Foyer CDs zu signieren. Die WDR Big Band, der wohl beste Jazz-Klangkörper Europas, verfügt über einen großen Fundus exzellenter Musiker. Das belegten die 18 Mann gestern nachdrücklich. Faszinierend, mit welch individuellen Fähigkeiten die Musiker ausgestattet sind, wenn sie wie Saxofonist Paul Heller oder die Trompeter John Marschall und Klaus Osterloh für ein Solo ins Rampenlicht treten, um kurz darauf wieder mit dem Orchester zu verschmelzen. |
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