| Musik aus der Zeit Luthers in Form einer groß angelegten Jazz-Suite, arrangiert von Lucas Schmid und meisterhaft interpretiert von der NDR Bigband, mit tiefgründigen philosophisch-historischen Texten von Dr. Wulf Rehfus in der Hörbuchversion, vermitteln dem Hörer neue Perspektiven über den Geist der Reformation. Die jetzt auf dieser neuen CD veröffentlichte „Jazz Reformation“ lebt von der musikalischen und emotionalen Vielschichtigkeit. Ausgehend von der Kirchenmusik vereint dieses Werk orchestralen Jazz, Tango Nuevo, Funk, Salsa und Solo-Improvisationen zu einem neuen Ganzen. Über diese Produktion Von Lucas M. Schmid Angeregt durch Zeitungsartikel und Filmberichte, befasste ich mich 1995 mit den Themen und Vorbereitungen der Evangelischen Kirche für das Lutherjahr 1996. Einige Themen handelten über Neuanschauungen überlieferten Gedankengutes der Kirche, über Reformierung der Strukturen und Aufgaben und über den Werteverfall der säkularisierten Gesellschaft. Gewiss haben sich Wandlungen auf vielen Ebenen seit der Reformation vollzogen. Auch auf kirchenmusikalischer Ebene sind neue Interpretationswege und -Versuche festzustellen. Luther verstand es seinerzeit, sich des Mediums Musik geschickt zu bedienen. Er übernahm bekannte Melodien aus der Vorreformationszeit, wenn nötig modifizierte er sie, und versah sie mit einem neuen Text. Anfangs kannten die Gemeindemitglieder die Texte zwar nicht, aber zumindest konnten sie schon mitsingen, weil ihnen die Musik vertraut war. Am Anfang waren die Melodien, einige davon gehören zu den ältesten Weisen abendländischer Kultur.
Eine Brücke zu schlagen und diese Musik in das schöpferische, junge Idiom des Jazz zu transportieren, empfand ich als aufregendes Unterfangen. Wie viele Musikgattungen, so ist auch der Jazz aus einem "Schmelztiegelprozeß" entstanden. Eine der Schmelztiegel-Ingredienzien ist der Gospel, ein Kirchenlied. Eine andere die Improvisation, in der Kirchenmusik von Organisten über mehrere Jahrhunderte praktiziert. Wohl in höchster Vollendung beherrschte Johann Sebastian Bach die Improvisation, seine Bearbeitungen der Luther Choräle für Orgel sind allgemeines Kulturgut. Den raumfüllenden Klangeindruck einer Orgel auf eine Bigband zu übertragen, lag auf der Hand. Dieses große Ensemble verfügt ebenfalls über eine Fülle von Klangfarben, zudem ist es mit siebzehn Improvisatoren besetzt. Die Musik von Luther lässt bei der Bearbeitung viel Ausdrucksfreiheit zu. Diese findet man im Jazz wieder, erweitert durch die Soloimprovisation.
Als Musiker der NDR-Bigband war mir die Möglichkeit gegeben, die auf Partitur geschriebene – stumme- Musik in Klang umzusetzen. Das aufregende Unterfangen kulminiert mit der aufregenden Erfahrung der Aufführung. |
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